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Willkommen zu einer ganz besonderen und sehr persönlichen Episode von „Der Durchschnitt“.

Heute bin ich (Anmerkung: damit bin ich, also Marcel gemeint) ausnahmsweise mal alleine am Mikro, da mein geschätzter Freund und Co-Host Quasi sich eine kleine Auszeit gegönnt hat. Wenn du den Text lieber liest, anstatt mir zuzuhören, bist du hier genau richtig.

Man freut sich über einen Vortrag? Ja! Vorfreude ist bekanntermaßen die größte Freude im Leben, und so einen Moment durfte ich nach langer Zeit mal wieder spüren. Ich war der Einladung eines sehr geschätzten Geschäftspartners aus der Telekommunikationsbranche nach Berlin gefolgt. Es war ein riesiges Event mit über 1000 Gästen, einer Mischung aus Messe, Workshops und Masterclasses.

Als das Line-up verkündet wurde, staunte ich nicht schlecht: Jonas Deichmann wurde als Speaker angekündigt. Und nein, er ist nicht der von dem Schuhladen (ok, der war echt flach, sorry!). Mit Sicherheit bist du seinen Inhalten im Netz schon mal über den Weg gelaufen. Ich für meinen Teil hatte meinen intensivsten Erstkontakt mit seinen Geschichten im August 2023 durch den Podcast von Paul Ripke.

Ich sehe Zufälle vielmehr als Bestimmungen. Dass ich genau zu dieser Zeit auf ihn aufmerksam wurde, war ein Teil meines eigenen Weges. Vor drei Jahren steckte ich persönlich, mental und körperlich in einem ziemlichen Loch. Ich hatte deutliches Übergewicht, pflegte einen ungesunden Lifestyle und stand an einem Scheideweg. Jonas Deichmanns Erfahrungsaustausch mit der unsichtbaren Masse hat mich extrem inspiriert, mich aus diesem Loch herauszukämpfen und zu dem zu werden, der ich heute bin: Ein Mensch, der optimistisch denkt, an sich glaubt und sich stetig entwickeln will. Wir sind mittlerweile sogar gewissermaßen „Freunde“ – zumindest hat er meine Freundschaftsanfrage auf LinkedIn angenommen. Sorry, die Anekdote musste ich irgendwie hier einbauen…

Wer ist Jonas Deichmann? Oder: Was keiner zuvor geschafft hat

Als Jonas auf die Bühne kam, lief „Unstoppable“ von Sia. Das wirkte im ersten Moment fast schon kitschig, traf den Nagel aber absolut auf den Kopf. Denn Jonas ist in seinen Disziplinen wahrlich nicht zu stoppen.

120 Ironman in 120 Tagen. Kann man mal machen, oder?! Bildquelle: Eigene Aufnahme (Marcel Kaletta)

Falls du nicht weißt, wovon ich spreche, hier ein kurzer Blick auf seine unvorstellbaren Weltrekorde (Stand: April 2026):

DisziplinRekord / ProjektDetailsJahr
🏃🚴🏊 Triathlon120 Langdistanzen120 Triathlon-Langdistanzen in 120 aufeinanderfolgenden Tagen (jeden Tag 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,2 km Laufen).2024
🏃🚴🏊 TriathlonErster Triathlon um die WeltUmrundung der Welt in 14 Monaten (450 km Schwimmen, 21.000 km Radfahren, 5.060 km Laufen).2021
🚴 RadfahrenPanamericanaVon Alaska nach Feuerland (ca. 23.000 km) in 97 Tagen, 21 Stunden und 10 Minuten.2018
🚴 RadfahrenNordkap nach KapstadtDurchquerung von Europa und Afrika (18.000 km) in 72 Tagen, 7 Stunden und 27 Minuten.2019
🚴 RadfahrenEurasienVon Portugal nach Wladiwostok (14.331 km) in 64 Tagen.2017

1. Bedingungsloser Glaube an sich selbst

Ein Buch von ihm heißt nicht umsonst „Weil ich es kann“ oder „Das Limit bin nur ich“. Solche unfassbaren Distanzen lassen sich nicht ohne einen unerschütterlichen Glauben an die eigene Person durchziehen. Er betonte immer wieder: Man muss aus seiner Komfortzone heraus, denn wachsen kann man nicht auf dem Sofa. Das ist ein langwieriger Prozess, aber er lohnt sich.

Ich selbst hatte 2023 absolut keinen Glauben an mich und brauchte diesen absoluten Tiefpunkt, um etwas zu bewegen. Drei Jahre später glaube ich wieder an mich – vielleicht noch nicht so extrem bedingungslos wie Jonas, aber ich bin fest davon überzeugt, dass das noch kommt.

2. Egal, was die Skeptiker und Nörgler sagen: Zieh durch

Unsere Gesellschaft entwickelt sich leider zunehmend zu einer Neidkultur, in der einem oft nichts gegönnt wird. Oft liegt es daran, dass die Skeptiker insgeheim gerne selbst diese sportliche Ausdauer oder diese Rekorde hätten. Auch Jonas hatte viele Nörgler, bevor er antrat, um die Welt zu umrunden. Die Message ist so simpel wie effektiv: Höre auf deine innere Stimme und lass dich nicht von der Außenwelt beeinflussen.

Als ich damals beschloss, in meinem untrainierten Zustand innerhalb von knapp fünf Monaten für einen Marathon zu trainieren, verzichtete ich konsequent auf Alkohol. Manche machten sich darüber lustig. Meine Antwort war damals nur: „Ich mag zwar aussehen wie ein Schweinchen, bin aber flink wie ein Kaninchen“. Ich habe durchgezogen, es geschafft und es allen Zweiflern bewiesen.

3. In welchem kleinen Detail kann ich besser werden?

Unser Körper braucht nicht nur die großen Makronährstoffe wie Fett oder Kohlenhydrate, sondern auch unzählige kleine Mikronährstoffe, um physisch und psychisch besser zu werden. Genauso kommt es im Leben auf die kleinen Details an.

Jonas hat sich beispielsweise für die Kälte in Russland in der Kältekammer der Deutschen Bahn vorbereitet, wo normalerweise Loks bei widrigsten Umständen getestet werden. Dort stand er nicht nur rum, sondern übte, bei extremen Minusgraden die Reifen an seinem Fahrrad zu wechseln.

Jonas Deichmann testet nicht nur theoretisch, sondern praktisch. Hier in der Kältekammer der deutschen Bahn. Bildquelle: Eigene Aufnahme (Marcel Kaletta)

Wir dürfen ruhig detailverliebter sein. Als ich einen Tag nach dem Vortrag in Berlin einen inoffiziellen Halbmarathon lief, hatte ich mental einen kleinen Hänger. Dann kam mir eine junge Frau entgegen, und ich sah in ihrem Gesicht ein so breites, wahrhaftiges Lächeln. Diese pure Mikrogestik und Energie hat mich so beflügelt, dass ich sofort wieder die mentale Power hatte, durchzuziehen. Es sind diese kleinen Dinge, ob auf technischer oder zwischenmenschlicher Ebene, in denen wir stetig besser werden können.

4. Bedingungsloser Optimismus

Wenn man sich solche Ziele setzt, muss man nicht nur Optimist, sondern bedingungsloser Optimist sein. Wir alle kennen Tage, an denen man in Pessimismus verfällt und denkt, die ganze Welt habe sich gegen einen gekehrt. 

Jonas erlebte so etwas auf seiner Weltumrundung: Nachdem er tausende Kilometer durch die russische Eiseskälte gefahren war, durfte er plötzlich nicht in die USA einreisen, weil er zuvor im Iran war und unter Terrorverdacht stand. Die meisten hätten an diesem Punkt frustriert aufgegeben. Jonas hingegen suchte nach einer Alternative, blieb optimistisch und zog durch. Das Ergebnis? Er durfte Mexiko durchqueren, war in warmen Gefilden unterwegs und stieg kurzzeitig zu einer Art Volksheld und einem „nicht-fiktiven Forrest Gump“ auf. Der Payback für eine positive Einstellung trifft früher oder später immer ein.

5. Es gibt kein „Eigentlich“, es gibt keinen Konjunktiv

Es gibt einen massiven Unterschied zwischen den Sätzen: „Ich werde in 14 Monaten zurückkehren und die Welt umrundet haben“ und „Wenn alles gut läuft, bin ich vielleicht in 14 Monaten zurück“.

Ich ertappe mich selbst oft dabei, wie ich in den Konjunktiv verfalle, um mir ein sicheres Hintertürchen oder ein Fallback offen zu lassen. Wir müssen lernen, das Wort „eigentlich“ zu streichen. Schaff dir zunächst kleinere Erfolgserlebnisse, um den Mut zu fassen, groß zu denken. Finde heraus, wie du dich realistisch einordnest, und lote dann deine Grenzen aus. Selbst ein Scheitern bedeutet nicht, dass du verloren bist; du durchläufst einen wertvollen Lernprozess.

6. Radikale Akzeptanz, auch wenn die Situation scheiße ist

Als Jonas durch das Mittelmeer schwamm, zog plötzlich ein schwerer Sturm auf. Eine ausweglose Situation. Was tut man? Man muss die Situation radikal akzeptieren, wie sie ist, um einen Weg hinaus zu finden.

Ich flüchte mich bei Problemen gerne in schönere Welten. Das ist zwar besänftigend, hält uns aber in der Komfortzone gefangen. Nur wer den ersten Schritt macht und radikal akzeptiert, wie die Ausgangslage im Hier und Jetzt ist, kann beim Ändern dieser Realität wachsen.

7. Do shit first!

Das ist eine unglaublich kraftvolle Regel. Es geht nicht um den morgendlichen Toilettengang, sondern darum, den Tag kompromisslos mit der unliebsamsten Aufgabe zu starten – ohne Diskussion, ohne Zögern, ohne Hinterfragen. Irgendwann entstehen aus diesen unliebsamen Dingen Gewohnheiten. Wenn diese „harten Aufgaben“ abgehakt sind, schafft das eine enorme innere Stärke und der Kopf ist frei.

Da hebt es sich so ein Rad schon viel leichter, wenn man am Ziel ist. Bildquelle: Eigene Aufnahme (Marcel Kaletta)

Mein liebstes Beispiel dafür ist das Laufen im Winter. Wenn man sich frühmorgens bei minus fünf Grad aus dem warmen Bett quält und läuft, entsteht ein unglaublicher Cocktail aus Überwindung, frischer Luft und Leidenschaft. Kein Soulfood und kein Kaffee der Welt können diesen Effekt erzeugen. Das Bett fühlt sich zwar besser an, aber du willst doch leben und nicht rasten, oder?

8. Meilensteine visualisieren und das große Ziel in kleine Stücke teilen

Große Visionen können überwältigend sein. Es hilft enorm, sich schon vorher die kleinen Belohnungen für Etappenziele zu visualisieren.

Wenn ich mich bei Dunkelheit und Kälte auf den Weg mache, stelle ich mir oft schon eine dampfend heiße Dusche vor oder den Moment, wenn mir die Sonne beim Laufen ins Gesicht scheint. Nach einem Long Run am Sonntag male ich mir das üppige Frühstück inklusive Cheat-Produkten aus.

Bei Jonas‘ Triathlon um die Welt war es oft das greifbare Ziel, an der nächsten Tankstelle einen Schokoriegel zu kaufen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass er beim Ironman-Projekt einen täglichen Kalorienbedarf von 10.000 kcal hatte – was etwa 18 Big Macs oder 10 Dönern entspricht. Diese kleinen Dinge motivieren uns, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.

9. Nicht das Ankommen ist das Allergrößte, sondern der Weg dahin

Hier fühlte ich mich von Jonas absolut ertappt. Seine ganzen unglaublichen Reisen lassen nur diesen einen Schluss zu: Wie unvergleichlich schön muss es sein, auf dem zugefrorenen Baikalsee zu übernachten und die Natur in ihrer Gänze zu erleben? Wie toll muss es sein, wenn plötzlich Fanclubs mitlaufen oder dir eine Hündin wie „La Coqueta“ über 100 km folgt und zum Maskottchen wird? 

Jonas Deichmann zusammen mit der Hündin „La Coqueta“. Bildquelle: Eigene Aufnahme (Marcel Kaletta)

Die schönsten Dinge im Leben gibt es umsonst. Ich zog direkt Parallelen zu meinem ersten offiziellen Marathon in Bilbao. Der Lauf war ein berauschender, qualvoller Gang. Ab Kilometer 30 war ich körperlich platt, bei 35 streikte das Knie. Aber ich entwickelte einen Optimismus und erlebte eine absolute Gefühlsachterbahn. Im Nachhinein war genau das das Wertvollste: Der Weg dahin, das Erlebnis an sich und die Reise, die ich jetzt konsequent weitergehe.

10. Inspiration für andere sein

Jonas schlägt gewaltige Wellen und ist eine unfassbare Inspirationsquelle – ganz besonders für leidenschaftliche Amateurläufer wie mich. Seine Präsenz ist so nahbar, dass er im Herbst 2026 (September bis Oktober) plant, an 30 Tagen wieder 30 Marathons zu laufen, bei denen jeder, der Bock hat, einfach mitlaufen kann.

Ich war nach seinem Vortrag so motiviert bis in die Haarspitzen, dass ich das abendliche Dinner und die Party sausen ließ. Ich stand am nächsten Morgen auf und bin einfach einen Halbmarathon gelaufen. Warum? Weil ich es konnte und weil ich spürte, dass ich es tun muss. Und ich durfte Jonas am Rande seines zweiten Vortrags noch zufällig erwischen, ihm für die Inspiration danken und meinen ultimativen Fanboy-Moment mit einem Selfie feiern. Auch wenn wir vielleicht nicht die gigantischen Wellen von Jonas schlagen, so können wir doch in unserem eigenen Umkreis kleine Wellen auslösen und andere inspirieren.

Mein Fanboy-Moment: Ein Selfie mit Jonas Deichmann. Bildquelle: Eigene Aufnahme (Marcel Kaletta)

Was bleibt nach dem Vortrag?

Wenn man diese 10 Punkte einfach nur aufgelistet liest, klingen sie wie typische Floskeln aus dem Coaching-Handbuch. Aber die Untermauerung all dieser Aussagen mit wahren, schier unglaublichen Erlebnissen macht sie so nahbar, menschlich und glaubhaft. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob mir das ein privilegierter Coach erzählt oder jemand, der im tiefsten Russland bei Minusgraden in festgefrorene Stiefel schlüpfen musste, um Fahrrad zu fahren.

Dieser Vortrag hat bei mir Gänsehaut und richtiggehend Kopfkino ausgelöst; hier und da kullerte sogar fast ein Freudentränchen. Ich möchte mich dem Optimismus noch radikaler hingeben und die Regel „Do shit first“ tief in meinen Alltag integrieren.

Der Vortrag hallt nach, und das ist wunderbar so. Ich werde mir definitiv weitere Bücher oder Hörbücher von ihm besorgen, um noch tiefer in seine psychologischen Ansätze einzutauchen. Vorfreude ist wirklich die schönste Freude – ganz besonders dann, wenn die Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen werden.

Danke, Jonas, mein LinkedIn-Freund und eine der größten menschlichen Inspirationsquellen. Und P.S.: Ich hatte Jonas gefragt, ob ich das alles hier thematisieren darf, und er hatte kein Problem damit. Er meinte sogar, er wolle sich den Podcast bei Gelegenheit mal anhören. Ich bin gespannt und werde vielleicht noch im Nachgang hier berichten!

Quellen, um mehr über Jonas Deichmann zu erfahren

Marcel Kaletta


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